Freitag, 13. April 2018

[Writing Friday] Verfolgt



Damit hatte Lukas nicht gerechnet, als er sah wie das Lichtgewitter auf ihn niederging. Es überraschte ihn. Blendete ihn und er wusste gar nicht mehr, wohin er schauen sollte. Er dachte an diese anderen Paparazzi Bilder, mit geschocktem Gesicht, nicht wissend, wo man ist. Langsam klang es ab und er wusste nun wieder, wo er war, vollkommen benebelt von Drogen und sonst irgendetwas, mit einer toten Frau vor seinen Füßen, seiner Mutter. In einem roten Kleid. Doch das rote Kleid bekleidete sie eigentlich kaum. Es war nur noch in etwa zu erkennen. Es war zerrissen, nein, es war zerstochen von einem Messer. Wer tat so etwas? Wer würde seine Mutter umbringen, was tat er hier? Was hatte er da in der Hand, ein Messer, nein das Messer? Hatte er? Hatte er seine Mutter umgebracht, das konnte nicht sein.
Lukas schreckte schweißgebadet aus seinem Traum hoch. Er zitterte am ganzen Körper. Er versuchte das Glas Wasser, welches er genau für diesen Fall platziert hatte, in die Hand zu nehmen. Es schwappte etwas darüber, doch er konnte es an die zitternden Lippen setzten und ein paar Schlucke nehmen. Doch dann verschluckte er sich auch schon und er musste husten. Verschüttete alles über die Bettdecke. Er stand auf und ging ins Bad. Danach musste er sich seinen Mund auswaschen und sah in den Spiegel. Ein blutunterlaufenes Gesicht. Augenrinnen und müde Augen. Er konnte die Bilder nicht mehr loswerden, doch er musste. Er musste fit sein. Seine Karriere hing davon ab. Er musste einer der Besten sein. Er wollte diesen Job heute. Seit dem Vorfall war es immer nur noch nach unten mit ihm gegangen. Er hatte einmal alles gehabt, doch nun nicht mehr. Langsam ging er wieder ins Zimmer zurück und zog sich die herausgelegten Sachen an. Dann verließ er das Haus, doch er fühlte sich als wäre er in einem Fiebertraum gefangen. Die U-Bahn war drückend voll, doch irgendwo spuckte sie ihn aus, einfach auf dem Bürgersteig. Dann ging er in den Raum. Der Raum war voll mit Jungs in seinem Alter. Alle sahen im ähnlich. Sahen besser aus. Waren selbstbewusster. Er rannte hinaus, hinaus auf die Straße, rot flackerte in seinem Augenwinkel, rot wie Blut, rot wie das Kleid. Das Kleid, das ihm zum Verhängnis geworden war. 


Writing Friday ist eine Aktion von readbooksandfallinlove.
Jeden Monat gibt es neue Schreibaufgaben. Das bedeutet: Verschiedene Themen, zu denen man Kurzgeschichten oder Gedichte schreiben kann. Jeden Freitag werden die Beiträge dann veröffentlicht. 

Hier kommt ihr zu dem Beitrag von readbooksandfallinlove: Writing Friday April 2018 
Heute habe ich mir die Aufgabe ausgesucht eine Geschichte mit dem Satz: Damit hatte Lukas nicht gerechnet, als er sah wie....ich hoffe ich konnte den Satz gut fortsetzen.

Ich würde mich sehr über eure Rückmeldung freuen und auch über Tipps.

Liebe Grüße und bis zum nächsten Post

Eure    Svenja

Kommentare:

  1. Uh - harter Tobak - ziemlich intensiv geschrieben. Das stelle ich mir heftig vor - mit so was zu leben - egal unter welchen Umständen.

    LG

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen Dank für dein Kompliment, genau so sollte es herüber kommen!

      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende wünsche ich dir.
      Deine Svenja

      Löschen
  2. Wow, sehr dramatisch und wirklich gut geschrieben.

    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!

    Liebe Grüße, Gina

    AntwortenLöschen
  3. Das fieberhafte und wahnhafte kommt ziemlich gut rüber. Und ich bin mir nicht sicher, ob das passiert ist, was ich denke, das passiert ist. Hat er im Drogenrausch tatsächlich seine Mutter umgebracht? Waren es Wahnvorstellungen? Intensiver Text

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen Dank!
      Nein hat er nicht, also laut mir, aber man kann es sicherlich auch anders interpretieren. Es war ja "nur" ein Traum, aber natürlich beruht dieser auf wahren Begebenheiten. Es hätte also so sein können, aber ich hatte etwas anderes im Kopf als ich die Geschichte geschrieben habe.
      Aber eigentlich ist es ja gut, wenn mehrere Interpretationsmöglichkeiten gegeben sind.

      LG Svenja

      Löschen
  4. Wahnsinn, was für eine Geschichte! Der Schreibstil, den du verwendest, unterstützt diese ganze nebulöse und fiebertraumähnliche Atmosphäre noch - absolut genial gemacht. Und gerade die Tatsache, dass man eben nicht so genau weiß, was hier gerade vor sich geht, macht die ganze Geschichte aus. Großartig!
    Liebste Grüße,
    Ida

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen Dank für deine Komplimente!
      Das freut mich wirklich total, dass dir die Geschichte gefallen hat.
      Und es war ja auch gerade meine Intention, dass man nicht genau weiß was passiert.

      LG Svenja

      Löschen

Mit Nutzung der Kommentarfunktion werden personenbezogene Daten die du durch den Kommentar mitgeteilt hast gespeichert (z.B. Bild, Name und die Nachricht). Mit der Nutzung der Kommentarfunktion erklärst Du Dich damit einverstanden.
Falls du einen Kommentar gelöscht haben möchtest, wende dich bitte an mich per Mail (Adresse findest du im Impessum). Für weitere Informationen schaue in meiner Datenschutzerklärung nach.